Diagnose & Therapie von Parkinson

Parkinson ist nach aktuellem Stand der Wissenschaft nicht heilbar, aber mit verschiedenen Therapien behandelbar. Die Lebenserwartung ist bei entsprechender Behandlung nicht verkürzt.

 
Verschiedene Therapieansätze stehen zur Verfügung, um dem Patienten bestmöglich zu helfen. Je früher Parkinson diagnostiziert und entsprechend behandelt wird, desto länger kann die Krankheit aufgehalten werden.

Diagnose von Parkinson

Die Diagnose Parkinson wird beim Neurologen gestellt. Erfahrenen Ärzten reicht meist ein Blick auf den Erkrankten, um eine Verdachtsdiagnose zu stellen.

Medizinische Untersuchung unter Berücksichtigung typischer Parkinson-Symptome
Als erster Schritt wird eine neurologische Untersuchung durchgeführt. Der Arzt achtet hier besonders auf Zittern, welches im Ruhezustand auftreten muss. Bei einer Prüfung der Reflexe kann der Arzt feststellen, ob Gleichgewichtsstörungen aufgrund von mangelnden Reflexen vorliegen. Sowohl das Zittern im Ruhezustand, als auch die Störung der Reflexe sind Hinweise auf Morbus Parkinson.

Hat der Betroffene Schwierigkeiten damit, einzelne Muskelgruppen zu bewegen, anzuspannen und unter Widerstand zu benutzen, erhärtet das die Verdachtsdiagnose. Im Rahmen der Untersuchung wird auch auf eine Verlangsamung der Bewegungen geachtet, die ebenfalls ein Symptom von Parkinson darstellt. Treten mindestens zwei der Symptome (Zittern, Muskelsteifigkeit, mangelnde Reflexe, Verlangsamung der Bewegung) auf, deutet das auf Parkinson hin.

Weitere Informationen zu den Parkinson-Symptomen

Hilfe durch Computer-Tomografie und Magnet-Resonanz-Tomografie
Wenn bildgebende Verfahren wie Computer-Tomografie (CT) oder Magnet-Resonanz-Tomografie (MRT) eingesetzt werden, dann geschieht das vor allem, um andere Krankheiten auszuschließen. In Einzelfällen wird auch ein SPECT (Single-Photonen-Emissions-Tomografie) durchgeführt. Mit diesem sehr aufwändigen Verfahren kann der Zustand der Schwarzen Substanz im Gehirn festgestellt werden. Parkinson-Betroffene weisen ein verstärktes Signal in der Schwarzen Substanz des Gehirns auf, was die Diagnose recht eindeutig macht.

Um eine endgültige Parkinson Diagnose zu stellen, wird der L-Dopa-Test durchgeführt, bei dem der Betroffene gezielt mit Dopamin behandelt wird. Verringern sich dabei die Symptome oder verschwinden sogar ganz, ist eine Parkinson-Erkrankung sehr wahrscheinlich.

Behandlung von Parkinson mit Medikamenten

Mit gut eingestellter Medikation lassen sich viele Parkinson-Symptome behandeln.
Mit gut eingestellter Medikation lassen sich viele Parkinson-Symptome behandeln.

Die Behandlung mit Medikamenten ist einer der Stützpfeiler bei der Parkinson-Therapie. Viele Symptome lassen sich mit einer gut eingestellten Medikation verhindern oder wenigstens lindern.

Bei stark ausgeprägten Symptomen kann eine Kombination einzelner Wirkstoffe sinnvoll sein. Manchmal muss zusätzlich zum Parkinson-Medikament noch ein weiterer Wirkstoff eingenommen werden, um auftretende Nebenwirkungen zu bekämpfen.

L-Dopa als Basispräparat mit Decarboxylase-Hemmer

Das Basismedikament nahezu jeder Parkinson-Therapie ist Levodopa (oder auch L-Dopa) in Kombination mit Decarboxylase-Hemmern. Im Gehirn des Betroffenen wird Levodopa in reines Dopamin umgewandelt. Auf diese Weise wird der bei Parkinson-Erkrankten verringerte Dopaminspiegel wieder angehoben.

Levodopa gilt als wirksamstes Mittel gegen die für Parkinson typische Bewegungsverlangsamung und Muskelspannung. Mit Hilfe des Präparats lassen sich diese Symptome in der Regel schnell lindern.

Decarboxylase-Hemmer reduziert einzunehmende Menge an L-Dopa
Der beigesetzte Decarboxylase-Hemmer verhindert, dass sich L-Dopa bereits vor Übertritt der Blut-Hirn-Schranke in Dopamin umwandelt. Ohne den Einsatz eines Decarboxylase-Hemmers müsste eine etwa fünfmal so hohe Dosis L-Dopa eingenommen werden, um eine zufriedenstellende Wirkung zu erzielen. Dies hätte wiederum erhebliche Nebenwirkungen, wie beispielsweise Herzrhythmusstörungen zur Folge.

Nebenwirkungen verstärken sich häufig mit Dauer der Levodopa-Gabe
L-Dopa hat trotz seiner guten Wirksamkeit als Tablette, Kapseln oder Tropfen einige Nebenwirkungen. Es kommt oftmals zu einem gesteigerten Bewegungsdrang und durch einen Überschuss an Dopamin kann sich auch eine Psychose entwickeln. Die Behandlung mit L-Dopa sollte daher möglichst niedrig dosiert sein. Erst, wenn sich keine Besserung der Symptome einstellt, ist es notwendig, die Dosierung zu erhöhen.

Die Nebenwirkungen nehmen im weiteren Behandlungsverlauf mit Levodopa häufig zu. Zu beobachten sind unter anderem Magenprobleme, psychische Störungen sowie Herz-Kreislauf-Störungen oder starke Müdigkeit.

Wirkdauer von L-Dopa sinkt mit der Zeit
Im weiteren Behandlungsverlauf sinkt die Wirkdauer von Levodopa allderings. Bereits vier bis sechs Stunden nach der Einnahme nimmt die Wirkung ab.

Dopamin-Agonisten als Nachahmer des Dopamins

Auch Dopamin-Agonisten werden sehr häufig zur Behandlung von Parkinson eingesetzt. Ziel der Einnahme von Dopamin-Agonisten ist es, die Lebensqualität und Selbstständigkeit auch mit der Krankheit Morbus Parkinson zu erhalten. Dabei ahmen sie die Wirkung von Dopamin nach. Besonders die im Therapieverlauf zunehmenden Nebenwirkungen von L-Dopa sind Grund dafür, dass Betroffene im Frühstadium der Parkinson-Krankheit Dopamin-Agonisten erhalten.

Die im Gehirn befindlichen Dopamin-Rezeptoren erkennen keinen Unterschied zwischen echtem Dopamin und seinen Agonisten, daher können diese problemlos andocken. Der Vorteil im Vergleich zu L-Dopa liegt darin, dass keine Umwandlung erfolgen muss und somit keine Belastung des Dopaminsystems erfolgt.

Wirkung bleibt im weiteren Therapieverlauf erhalten
Im Vergleich zur Therapie mit L-Dopa bleibt die Wirksamtkeit der Dopamin-Agonisten auch im weiteren Behandlungsverlauf erhalten. Dopamin-Agonisten stehen als Retard-Tabletten zur Verfügung. Diese Tabletten geben ihren Wirkstoff gleichmäßig über den Tag verteilt ab und es gibt keine Wirkungsschwankungen. Zusätzlich haben sie den Vorteil, dass der Erkrankte nur eine Tablette am Tag einnehmen muss. Bekannte Wirkstoffe sind unter anderem Bromocriptin, Lisurid und Pergolid sowie Ropinirol oder Pramipexol.

Nebenwirkungen häufig zu Therapie-Beginn
Dopamin-Agonisten rufen oftmals zu Beginn einer Behandlung unangenehme Nebenwirkungen hervor. Hierzu zählen unter anderem Bauchschmerzen und Übelkeit, Anzeichen einer Psychose oder Schläfrigkeit.

MAO-B- & COMT-Hemmer verlangsamen Dopaminabbau

Mao-B- oder COMT-Hemmer werden fast immer in Kombination mit L-Dopa verabreicht, da sie die Wirkung dieses Medikaments verlängern. Diese Hemmer blockieren dabei die Enzyme Monoaminooxidase-B (MAO-B) bzw. Catechol-O-Methyl-Transferase und sorgen dafür, dass Dopamin im Gehirn verlangsamt abgebaut wird. Dopamin verbleibt so länger im Körper. Als MAO-B-Hemmer werden zur Parkinson-Therapie zum Beispiel Wirkstoffe wie Selegilin oder Rasagilin eingesetzt, als COMT-Hemmer findet unter anderem der Wirkstoff Entacapon Anwendung.

Glutamat-Antagonisten zur Hemmung des Botenstoffs

Glutamat-Antagonisten verringern die Wirksamkeit von Glutamat im Gehirn. Wirkstoffe sind zum Beispiel Amantadin oder Budipin. Viele Parkinson-Patienten haben einen Glutamatüberschuss, was zu einer Überbewegung und somit zum Tremor führt. Mit dem Verringern des Glutamatanteils kann der Tremor abgeschwächt werden.

Anticholinergika verringern Überschuss an Acetylcholin

Am meisten erprobt und am längsten verwendet werden Parkinson-Medikamente in Form von Anticholinergika. Diese Medikamente drosseln die Wirkung von Acetylcholin im Gehirn, einem Botenstoff, der bei Parkinson-Patienten übermäßig vorhanden ist. Anticholinergika-Präparate enthalten zum Beispiel die Wirkstoffe Biperiden oder Clozapin. Durch die Einnahme von Anticholinergika wird das Zittern gedämpft, die Muskelsteifigkeit nimmt ab und es kommt zu einer Beruhigung des vegetativen Nervensystems.

Operative Therapiemethoden bei Parkinson

Wenn die medikamentöse Parkinson-Therapie nicht den gewünschten Effekt erzielt oder die Nebenwirkungen zu stark sind, können operative Therapiemethoden in Frage kommen. Eine Operation ist grundsätzlich auch zusätzlich zur Medikamenteneinnahme möglich, wird aber erst durchgeführt, wenn keine andere Option erfolgreich war.

Stereotaxie

Es gibt zwei verschiedene Operationsmethoden, die ältere Variante ist die sogenannte Stereotaxie. Hierbei wird die Schädeldecke minimal geöffnet und eine Sonde ins Gehirn eingeführt. Durch die Berührung eines stark aktiven Areals im Gehirn wird dieses beruhigt und stillgelegt. Es können verschiedene Hirnareale in Frage kommen. Bei welchem die Behandlung durchgeführt wird, richtet sich nach den dominierenden Symptomen.

Tiefe Hirnstimulation zur Verbesserung von Bewegungsstörungen

Eine schonendere Variante ist die Tiefe Hirnstimulation, oder THS, mit einem Hirnschrittmacher. Diese wird heute fast ausschließlich eingesetzt. Das Ziel ist ähnlich dem der Stereotaxie, allerdings werden die Hirnregionen nicht zerstört, sondern durch elektronische Reizungen blockiert. Ein Impulsgenerator wird ins Gehirn implantiert, so dass die Stimulation der erkrankten Hirnregion dauerhaft möglich ist. Die Wirkung kann durch eine Funkverbindung von außen reguliert, also erhöht oder gesenkt werden. Diese schonendere Gehirnstimulation kommt allerdings häufig erst dann zum Einsatz, wenn Medikamente und physikalische Therapieansätze keine oder nur eine geringe Wirkung zeigen.

Interessante Information

Das Video Tiefen-Hirnstimulation gegen Morbus Parkinson zeigt in einem sehr interessanten Beitrag, wie die Tiefen-Hirnstimulation funktioniert und berichtet von einem Parkinson-Erkrankten, der sich im Jahr 2012 für die Tiefen-Hirnstimulation als Therapiemethode entschieden hat.

 
Besonders wirksam ist die THS bei Parkinson-Patienten, die gut auf L-Dopa ansprechen. Mit ihr können vor allem das ausgeprägte Zittern sowie Steifigkeit und Unbeweglichkeit beeinflusst werden. Nach dem Einsetzen des Hirnschrittmachers kann in den meisten Fällen die Dosis des Levodopa-Medikaments halbiert werden. Zusätzlich verbessern sich die motorischen Bewegungen, viele Parkinson-Patienten erreichen einen Bewegungszustand, wie sie ihn etwa sechs Jahre zurück hatten. Weitere Informationen zu THS und neuesten Untersuchungen finden Sie beim Hertie Institut für klinische Hirnforschung.

Physikalische Therapien bei Parkinson

Portrait of mature man having ambulatory therapy.
Die Physiotherapie hilft Parkinson-Erkrankten dabei, Alltagsaktivitäten gezielt zu üben.

Wichtig bei der Behandlung der Parkinson-Krankheit sind physikalische Therapien, die aus verschiedenen Bausteinen bestehen. Dazu gehören:

  • Physiotherapie
  • Ergotherapie
  • Stimm- und Sprechtherapie
  • eventuell Schlucktherapie

Das Ziel dieser Therapien ist es, den Patienten einen Teil ihrer verlorenen Fähigkeiten zurückzugeben oder dem Verlust weiterer Fähigkeiten vorzubeugen.

Gezielte Übungen helfen, noch vorhandene Fähigkeiten zu nutzen
Die Patienten erlernen durch Physio- und Ergo-Therapie, wie sie ihre vorhandene Bewegungsfähigkeit optimal nutzen können, um sich weitgehend selbst zu versorgen. Je besser sich Patienten im Alltag zurecht finden, umso besser ist in vielen Fällen auch ihr psychischer Zustand.

Stürze verhindern
Ein weiteres Ziel der Ergotherapie ist, die Gefahr von Stürzen im Alltag zu mindern. Durch die verringerten Standreflexe kann es passieren, dass Betroffene das Gleichgewicht nicht halten können und stürzen. In der Bewegungstherapie lernen sie, wie sie einem Sturz aktiv vorbeugen können und wie sie sich in einer Notsituation abstützen können, um sich nicht zu verletzen.

Lernen, mit Alltagshilfen umzugehen
Eine Ergotherapie ist auch dann noch möglich und nötig, wenn der Patient einen Großteil des Tages in liegender Position verbringen muss oder auf den Rollstuhl angewiesen ist. Sind die Bewegungsstörungen so weit fortgeschritten, dass auf Hilfsmittel (z. B. Rollator) zurückgegriffen werden muss, ist ein Ziel der Therapie, dass der Patient diese Hilfsmittel bestmöglich bedienen kann.

Mimiktraining gegen maskenhaften Ausdruck
Für die Betroffenen ist die Veränderung ihrer Mimik oft ein großes Problem. Sie würden gern lächeln, können es aber aufgrund ihrer Krankheit nicht, was zu einem maskenhaften Gesichtsausdruck führt. Mimisches Training hilft den Patienten, ihre Gesichtszüge wieder besser zu kontrollieren und Emotionen durch ihre Mimik auszudrücken. Sie lernen wieder zu lächeln.

Sind neben den Mimikstörungen auch Sprachprobleme vorhanden, können diese durch eine logopädische Therapie gebessert werden.

Hoffnungsträger Stammzellen Therapie?

Keine anerkannte Therapiemethode aber einen neuen Ansatz bietet die Stammzellen-Transplatationsforschung. Durch die Therapie mit gesunden Stammzellen sollen zerstörte Zellen in der Schwarzen Substanz ersetzt werden, so dass wieder mehr Dopamin produziert werden kann.

Besonders die Ethik und der Mangel bei embryonalen Stammzellen stellt die Forschung hier vor ein Problem, so dass nach transplantierfähigen Zellen gesucht wird, die ständig vorhanden sind. Forscher setzen inzwischen vermehrt auf die Verwendung von adulten Stammzellen, die sich im Blut, im Knochenmark, in der Haut und im Knorpel befinden. Da erwachsene Stammzellen aber schon ihre Bestimmung haben, ist es schwieriger sie zu benötigten Zellen umzuwandeln.

Zurzeit unterstützt das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) ein Forschungsprojekt des Instituts für Entwicklungsgenetik in Neuherberg zur Gewinnung von Dopamin produzierenden Zellen aus Stammzellen des Gehirns, die keine spezifische Aufgabe zu besitzen scheinen. Bis zum therapeutischen Einsatz ist es allerdings noch ein jahrelanger Weg.