Kann die Darmflora Morbus Parkinson beeinflussen?

parkinsonDarüber machten Wissenschaftler Gedanken. Die Forschungsberichte in Cell sagen ja; die Darmflora kann Morbus Parkinson beeinflussen (2016; 167: 1469-1480). Diese Erkenntnis beruht auf Versuche, die an Gen-modifizierten Mäusen durchgeführt wurden. Diese Mäuse hatten eine Überproduktion von Alpha-Synuclein und erkrankten aufgrund dessen an Morbus Parkinson. Die Forscher zogen die Mäuse keimfrei auf und stellten fest, die Mäuse blieben gesund. Als Grund sehen die Forscher den Darm, der aufgrund der keimfreien Aufzucht bakterienfrei blieb. An Morbus Parkinson erkrankten die Mäuse, wenn ihnen Darmbakterien, die zuvor Morbus Parkinson-Erkrankten Menschen entnommen wurde, oral zugeführt wurden.

Warum der Darm?

Im menschlichen Körper gibt es unzählige Bakterien, wovon ein Teil notwendig und ein anderer Teil für Krankheiten ursächlich ist. Die größte Ansammlung von Bakterien befindet sich im Gehirn; die zweigrößte im Darm. Da die Organe im menschlichen Körper in Zusammenhang stehen und sich gegenseitig beeinflussen können sind Forscher der Ansicht, dass Gehirn und Darm miteinander verknüpft sind. Die Achse „Darm-Gehirn“ beeinflusst die Tätigkeit des Darms über den Nervus vagus; ist es möglich, dass diese Achse auch in die andere Richtung funktionieren kann? Möglich wäre das, denn verschiedene Substanzen wie Dopamin und Serotonin werden im Darm produziert und fungieren im Gehirn als sogenannte Neurotransmitter.

Gründe, warum die Darmflora Einfluss die Krankheit nehmen kann

Bekannt ist, dass bei einer Reihe Patienten, bei denen eine Erkrankung des Gehirns festgestellt wurde, zuvor über Darmbeschwerden klagten. Weiter wurde festgestellt, dass Morbus Parkinson Patienten oft unter Verstopfung leiden. Eine Obstipation geht meist einer Hirnkrankheit voraus. Nach den heutigen Erkenntnissen weiß man, dass die Ursache für Morbus Parkinson die Ablagerungen des Proteins Alpha-Synuclein darstellen. Dieses Protein wird im Nervus vagus und im Darm ebenfalls nachgewiesen.

Lösen Proteine Morbus Parkinson aus?

Einige Neuroanatomen haben darauf eine Antwort. Sie vermuten bei Morbus Parkinson eine Prionen-Erkrankung, die durch Proteine, die mit der Nahrung aufgenommen werden, ausgelöst wird. Die Proteine wandern über die Nerven direkt ins Gehirn und lösen im Gehirn eine verhängnisvolle Kettenreaktion aus.

Forscher des California Institute of Technology in Pasadena

Dieser Annahme gingen die Forscher Timothy Sampson und Sarkis Mazmanian des Instituts nach. Sie stellten fest, dass Darmbakterien, welche die Anzahl der menschlichen Zellen um das zehnfache übertrifft, sind in der Lage Substanzen zu produzieren, welche der Darm resorbiert, in die Blutbahn abgibt, welche die Substanze dem Gehirn zuführt. Sehr schnell resorbiert werden beispielsweise kurzkettige Fettsäuren (Acetat, Butyrat, Propionat). Mäuse waren die Versuchsobjekte. Bei ihnen wurde die Produktion von Alpha-Synuclein erhöht; die Tiere litten danach zeitnah an motorischen Störungen – Symptome die für Parkinson typisch sind.